Mit kreativen Lösungen zum Ziel.

Wie man mit kreativen Lösungen zu einer Stadt ohne Hindernisse kommt, das konnten die rund 40 Personen bei der jüngsten Veranstaltung des Bürgerforums erfahren. Zu Gast war Architektin Christine Degenhart, Expertin in Sachen Barrierefreiheit.

PM 20160225. Mit kreativen Lösungen zum Ziel. Chrstine Degenhart zu Gast beim Bürgerforum

„Auch Kaufbeuren will barrierefreie Stadt werden.“ Mit diesen Worten begrüßte der Vereinsvorsitzende Oliver Schill die rund 40 Gäste zum jüngsten Vortragsabend des Bürgerforums. Um zu erfahren, wie man zu einer Stadt ohne Hindernisse kommt, war Architektin Christine Degenhart aus Rosenheim als Referentin eingeladen. Als Sprecherin der Beratungsstelle Barrierefreiheit bei der Architektenkammer Bayern und Mitglied im Ausschuss „Barrierefreies Bauen“ beim Deutschen Institut für Normung gilt sie als ausgewiesene Expertin zum Thema Barrierefreiheit.

Stadtraum für alle. Nutzen für alle.

Gleich zu Beginn ihres Vortags gelang es Christine Degenhart, anhand anschaulicher Beispiele aufzuzeigen, dass Barrierefreiheit ein komplexes Thema ist. Es geht dabei eben nicht nur um Stufen oder Treppen. Denn alle unsere menschlichen Sinne können von Einschränkungen betroffen sein. Eine Stadt wird somit dann barrierefrei, wenn sie ihren Stadtraum für alle Menschen nutzbar macht – egal ob jung oder alt, ob mit oder ohne handicap.

Barrierefreiheit ist für demographische Entwicklung wichtig

Ebenso wichtig war Degenhart, auf die Bedeutung des Themas Barrierefreiheit für die demografische Entwicklung hinzuweisen. Unsere Gesellschaft wird älter, auch die Geburtenstarken Jahrgänge nähern sich dem Seniorenalter. Da sich die bauliche Substanz einer Stadt nicht von heute auf morgen, sondern nur Schritt für Schritt ändern lässt, müssen wir heute für die geänderten Anforderungen von morgen bauen, ist Expertin Degenhart überzeugt.

Was dem einen nützt, ist für den anderen ein Hindernis.

Welche Anforderungen das sind, und wie das geht zeigte sie anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis. Gerade die Vielzahl der gezeigten Bilder machte es möglich, sich als Bürgerin, als Bürger eine Vorstellung davon zu machen, worum es geht und was geht. Denn diese gebauten Beispiele machten gleichzeitig auch deutlich, wo und weshalb Kompromisse notwendig sind. Denn weil Barrierefreiheit eben für die vielen verschiedenen Einschränkungen Lösungen bieten will, kann es zu Widersprüchen kommen: Was dem einen nützt, ist für den anderen ein Hindernis.

Nicht alles kann oder muss baulich gelöst werden. Manchmal kann eine Lösung durch geänderte Abläufe, also durch organisatorische Maßnahmen gefunden werden. Das heißt, es gilt immer das Ganze und dabei stets die Ziele, die man erreichen möchte, vor Augen zu haben.

Verhindern Normen kreative Lösungen?

Auch räumte Degenhart mit der überkommenen Vorstellung auf, DIN-Normen zur Barrierefreiheit würden alles im Detail regeln, vorschreiben und damit die Kreativität einengen. Das Gegenteil ist der Fall: Die jüngste Überarbeitung der Normen verfolgt einen gänzlich anderen Ansatz. Die Normen formulieren so genannte Schutzziele für die verschiedenen Arten von Einschränkungen und überlassen es ganz bewusst dem jeweiligen Planer, eine passende Lösung zu finden. Denn man hat über die Jahre gelernt, dass Lösungen zur jeweiligen konkreten Situation vor Ort und deren Gegebenheiten passen müssen. Und: Gerade durch diese Offenheit wird das kreative Potential der Planer aktiviert. Die Norm mit ihren Schutzzielen gibt dann eine Art Checkliste an die Hand, mit der man die Lösungen, die die Planer entwickelt haben, prüfen und vergleichen kann.

Strategie und Konzept sind wichtig.

Degenhart verwies auch auf die Bedeutung einer Strategie, eines Konzepts, dass Grundlage für die Umsetzung der Barrierefreiheit im Stadtraum sein muss. Nur damit stellt man sicher, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und zu gewährleisten, dass die zahlreichen Einzelmaßnahmen sich hin zu einem sinnvollen Ganzen entwickeln. Selbstredend muss aber auch ein solch langfristig ausgerichtetes Konzept immer wieder einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

Degenhart versäumte es nicht, den Blick in Sachen Barrierefreiheit auch über das Thema Stadtplanung beziehungsweise die baulichen Aspekte hinaus zu lenken. Stellvertretend wies sie am Beispiel der Webseite der Stadt Kaufbeuren auf die Bedeutung der Barrierefreiheit bei der Nutzung des Internets hin.

Dass es Christine Degenhart großartig gelungen war, den Gästen ein Verständnis und eine Vorstellung für eine barrierefreie Stadt zu vermitteln, belegten die zahlreichen Fragen im Anschluss ihres Vortrags. Über eine gute Stunde hinweg entwickelte sich ein abwechslungsreicher Dialog, indem das Thema weiter vertieft und mit Beiträgen der Gäste angereichert wurde. Dass Barrierefreiheit großen Nutzen für uns alle in allen Lebenslagen bringt, das ist die Botschaft, die man aus dem gelungenen Dialog mit Überzeugung nach Hause nehmen durfte.